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01.10.2015

Kläranlagen punkten im europäischen Vergleich

Ruhrverband und AWWR stellen 42. Ausgabe des Ruhrgüteberichts vor

Der Ruhrverband und die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr (AWWR) haben am 1. Oktober 2015 in Essen den aktuellen Ruhrgütebericht vorgestellt. Anlässlich der Veröffentlichung der mehr als 200 Seiten starken 42. Ausgabe des Berichts sagte Prof. Harro Bode, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbands: ?Die Kläranlagen im Ruhreinzugsgebiet befinden sich auf einem technisch sehr guten Stand. Dies wird dem Ruhrverband auch vom NRW-Umweltministerium bescheinigt. In diesem Zusammenhang ist es von Interesse, sich klar zu machen, dass die ambitionierten Anforderungen der EG-Abwasserverordnung von den 28 EU-Mitgliedstaaten derzeit außer von Deutschland nur noch von Österreich und den Niederlanden zu 100 Prozent erfüllt werden.?

Alle 20 Sekunden stirbt nach Angaben der Vereinten Nationen ein Kind auf unserer Erde aufgrund unzureichender sanitärer Anlagen.  Vor dem Hintergrund solch katastrophaler Zustände werden Wasserthemen zu Recht immer wieder durch die Medien in das Bewusstsein der Menschen gerückt. Allerdings ist klar, dass solche schlimmen Missstände nicht in Europa, sondern vor allem in Afrika und Asien anzutreffen sind. In Deutschland sind im Gegensatz dazu in der Wasserwirtschaft während der letzten hundert Jahre sehr effiziente und erfolgreiche Infrastruktursysteme zu sozialverträglichen Preisen entstanden. Wenn diese Systeme noch weiter verbessert werden, geht es darum, zukünftig auch Verunreinigungen in Größenordnungen von wenigen Nanogramm pro Liter aus dem Trinkwasser entfernen zu können (ein Nanogramm pro Liter entspricht der Konzentration von einem Stück aufgelöstem Würfelzucker im Bodensee). Parallel dazu wird diskutiert, ebenfalls die Abwasserkläranlagen weiter auszubauen, um unabhängig von der Trinkwasservorsorge darüber hinaus auch die empfindlichsten Lebewesen in den Flüssen und Seen noch weitreichender als bisher zu schützen. Bei der Entscheidungsfindung, ob unsere Gesellschaft auch dieses Reinigungsniveau noch verbessern will, ist allerdings zu bedenken, dass durch solche technischen ?End of Pipe?-Systeme keine Nullemissionen gewährleistet werden können. Deshalb ist gleichzeitig eine Fokussierung auf das Verursacherprinzip notwendig, bei der der Stoffeintrag an der Quelle, also in Gewerbebetrieben oder beim Einsatz von Chemikalien in Haus und Garten, kritisch hinterfragt und unterbunden wird. Der Rückgang der PFT-Konzentrationen im Einzugsgebiet der Ruhr ist ein gutes Beispiel für die Anwendung des Verursacherprinzips. Durch die Sanierung der mit PFT kontaminierten landwirtschaftlichen Flächen und einer Reduzierung des PFT-Eintrags durch die gewerblich-industriellen Betriebe beträgt die PFT-Konzentration an der Ruhrmündung nur noch 16 % des Wertes von 2006.

Legionellenproblematik in Warstein

Die Legionellenepidemie in Warstein im Jahr 2013 hat drastisch vor Augen geführt, wie wichtig es ist, dass technische Prozesse, die Luft und Wasser belasten können, mit großer Sorgfalt betrieben und kontrolliert werden müssen. Im Verlauf der Legionellenepidemie erkrankten 165 Menschen; zwei Patienten verstarben in Folge ihrer Infektion. Nach Stilllegung  verschiedener mit Wasser betriebener Rückkühlanlagen im Stadtgebiet, die erfahrungsgemäß als Infektionsquelle für einen solchen Seuchenfall in Frage kommen, wurden keine weiteren Infektionen festgestellt, so dass hier ein klarer Zusammenhang angenommen werden muss.

Die in Folge der positiven Legionellenbefunde in der Werkskläranlage der Warsteiner Brauerei, in der Verbindungsleitung von der Brauerei zur Kläranlage, der kommunalen Kläranlage Warstein und in der Wester durchgeführten Untersuchungen führten zu Sofortmaßnahmen, die eine deutliche Verminderung der Legionellenkonzentrationen im kommunalen Kläranlagenablauf bewirkten. Neben der Einrichtung einer UV-Desinfektion des Kläranlagenablaufs schuf der Ruhrverband zwischenzeitlich die Möglichkeit, die Reinigung der Brauereiabwässer auf seinem Kläranlagengelände durchzuführen, so dass die Brauerei ihre Abwasservorbehandlung schließen konnte. Dies war offenbar der richtige Schritt, denn auch bei den heißen Temperaturen in den vergangenen Sommermonaten kam es nicht erneut zu einem Aufflammen der Massenvermehrung der Legionellen. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand sind die bisher umgesetzten Maßnahmen hinsichtlich der Legionellenthematik somit als erfolgreich zu bewerten. Zur Zeit entsteht eine anaerobe Abwasserbehandlung für das Brauereiabwasser auf dem Ruhrverbandsgelände, um dadurch die provisorische Hochlastbelebungsanlage, mit der derzeit das Abwasser gereinigt wird, ersetzen zu können. Dies verspricht eine zusätzliche Sicherheit, da anaerobe Prozessbedingungen (das sind Prozessbedingungen unter Sauerstoffabschluss) die Legionellenentwicklung behindern. Durch die UV-Desinfektion auf der Kläranlage werden erfreulicherweise bereits heute die von den Behörden vorgegebenen Zielwerte für die Legionellen im Ablauf der Anlage sicher eingehalten.
Der Ruhrverband wird für die Realisierung der beschriebenen Maßnahmen am Ende rund 7,5 Mio. Euro investiert haben. Diese werden durch verschiedene Programme des Landes NRW mit 2,2 Mio. Euro gefördert. Der verbleibende Restbetrag wird über verursachergerechte Beiträge refinanziert.

Verbesserung der Ruhrwasserqualität durch gezielte Aufklärung
?Die Ruhrwasserqualität hat sich auch im Jahr 2014 positiv entwickelt. Beispielsweise hat die Konzentration des Pflanzenbehandlungsmittels Diuron in der Ruhr bei Mülheim durch gezielte jahrelange Aufklärungsarbeit Schritt für Schritt abgenommen. Dies gilt beispielsweise auch für den Betablocker Sotalol?, berichtete Dr. Christoph Donner, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr (AWWR). Die Mitglieder der AWWR betreiben die Trinkwasserversorgung entlang der Ruhr. Mit Hilfe ihres Überwachungsprogramms ?Organische Spurenstoffen? beobachtet die Gemeinschaft insgesamt 42 Substanzen. Hier zeigt sich bereits, dass die vom Umweltbundesamt festgelegten gesundheitlichen Orientierungswerte (GOW) teils im Rohwasser schon deutlich unterschritten werden. Das Unterschreiten eines GOW-Wertes bedeutet für die Wassernutzer eine hohe Sicherheit, da diese Werte einen Risikozuschlag enthalten. Dennoch gilt grundsätzlich, dass Verbraucher und Anwender ihren Beitrag leisten können, in dem sie so wenig Stoffe wie möglich in die Gewässer eintragen.

Trotz deutlicher Verbesserung der Ruhrwasserqualität in den letzten Jahren und anhaltender Anstrengungen beim vorsorgenden Gewässerschutz bereiten sich die AWWR-Mitglieder aber auch gegenüber nicht vorhersehbaren mikrobiologischen oder chemischen Verunreinigungen vor. Um die Qualität und Sicherheit für ihre Kunden weiter zu erhöhen, setzen Sie ein umfangreiches Investitionsprogramm in Höhe von rund 300 Millionen Euro um. Mittlerweile sind 114 Millionen Euro investiert worden. Exemplarisch zeigte Donner anhand zweier Anlagen, dem Wasserwerk Hennesee der Hochsauerlandwasser GmbH und dem Verbundwasserwerk Essen der Wassergewinnung Essen GmbH (WGE), um welche Verfahrensschritte die jeweilige Aufbereitung aktuell umfangreich erweitert worden sind.

Für den Notfall gut gerüstet
Dass die AWWR-Mitglieder nicht nur gutes Trinkwasser produzieren, sondern auch wissen müssen, wie der AWWR-Meldeplan zu handhaben ist, wurde auf einer Schulung dem Betriebs- und Bereitschaftspersonal der Wasserwerke nähergebracht. Der Meldeplan Ruhr dient seit 1986 der gegenseitigen Information von Mitgliedsunternehmen der AWWR, des Ruhrverbands, des Umweltministeriums und von Landesbehörden in NRW über Vorkommnisse an der Ruhr, die sich negativ auf die Wasserbeschaffenheit und das Abflussgeschehen der Ruhr auswirken können.
Zudem hat zum 1. April 2014 nach 30 Jahren ein Meldekopfwechsel vom Wasserwerk Hengstey zum zentralen Leitstand des Wasserwerks Essen-Horst der WGE stattgefunden. Zum anderen sind neue AWWR-Mitglieder in den Meldekreis aufgenommen worden, wie Stadtwerke Arnsberg, Stadtwerke Brilon und Hochsauerlandwasser. Auf Einladung der Wasserwerke Westfalen fand diese Veranstaltung im Wasserwerk Hengsen mit 30 Beteiligten statt. Es ging vor allem um die Frage ?Wie setze ich eine korrekte Meldung ab? anhand von fiktiven Beispielen mit Praxisbezug.

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der DRK Wasserwacht Mülheim hatten Hobbyschwimmer die Möglichkeit, einmal ?legal? in der Ruhr baden zu gehen. Was sonst nicht gestattet ist, war am 8. August 2015 möglich. Insgesamt 100 Schwimmer nutzen die Gelegenheit und wären erfreut, wenn es häufiger möglich wäre. In einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt ?Sichere Ruhr? wurde intensiv untersucht ob und wann Baden in der Ruhr möglich ist. Das ist aufgrund der guten Wasserqualität (bis auf Ausnahmen nach Starkregen-Ereignissen) durchaus möglich. Somit könnte in Zukunft auch das Freizeitvergnügen durch Schwimmen in der Ruhr unser Ruhrgebiet weiter attraktiver machen.